Meine Geschichte.
Wie ich mit Baby-Schritten in Brandenburg angefangen habe – und in Afrika gelandet bin
Ich werde oft gefragt, ob ich "mal irgendwie 'nen Kontakt in Afrika hab" und ob ich Tipps geben kann, wie man so einen Auslandsaufenthalt organisiert.
Ehrliche Antwort? Nein, sorry.
Ich hab das alles nicht geplant. Und das meine ich ernst.
Ich hatte nie diesen Traum, mal nach Afrika zu reisen. Ich bin da einfach reingerutscht. Eine große Verkettung (un)glücklicher Zufälle. Eigentlich wollte ich immer nach dem Abi eine Agrarweltreise durch Neuseeland, Australien, Irland etc. machen. Aber dann kam C* und ich hab erstmal die Ausbildung begonnen.
Nachdem ich ja in der Ausbildung so viel mit meiner Psyche zu kämpfen hatte, hab ich in der Berufsschule einen echten Freund gefunden.
Im ersten Jahr in Münster konnten wir uns noch nicht ganz so gut leiden, aber daraus entstehen ja bekanntlich die besten Freundschaften. Im zweiten Jahr in Bonn kam der gute dann plötzlich durch die Tür und war seitdem mein Sitznachbar.
In Prüfungsphasen und auf den Lehrgängen hat er mich mental sehr unterstützt und dafür bin ich ihm bis heute unglaublich dankbar. Und ich bin mir relativ sicher, dass ich es ohne diese Freundschaft nicht durch die Abschlussprüfung geschafft hätte.
Wer fährt schon ständig 50km hin und her, nur um mir an einem schlechten Tag Kuchen vorbei zu bringen?
Und ganz ehrlich, wer trifft sich vor den Prüfungen jeden Sonntag mit dir zu einem 12 stündigen Lernmarathon??
Kurz vor der letzten Prüfung kam dann diese Nachricht: "Ich hab da einen Bekannten im Osten, der sucht noch Erntehelfer. Wär doch was für dich, einfach mal raus und was anderes sehen."
Ich hatte vor allem eins: Angst.
Angst, mich in einem neuen Umfeld nicht durchsetzen zu können.
Angst, dass ich das nicht schaffe.
Angst, dass mich das Versagen noch weiter zurück wirft.
Aber ich brauchte eine neue Herausforderung.
Und er hatte recht, ich musste mal raus.
Also angerufen, Job klar gemacht.
Zwei Wochen nach der bestandenen Prüfung ging es also los ins erste Abenteuer: Ackerbau in Brandenburg.
Ich bin Sonntags früh los, auf mich warteten 8 Stunden Autofahrt. Auf halber Strecke ist mir dann das Auto abgekratzt. Also irgendwie bis zur nächsten Werkstatt geschleppt, Schlüssel und eine kurze Notiz in den Briefkasten geworfen, die wichtigsten Sachen eingepackt und zur nächsten Bushaltestelle. Dann mit dem Zug weiter und nach 12 Stunden Anreise endlich am anderen Ende von Deutschland angekommen.
Ich hatte zwischendurch mit meinem Papa telefoniert und ein paar Tage später meinte er nur: "Ich dachte echt, du schmeißt hin."
Ich auch, Papa!
Aber es ging mir von Woche zu Woche besser, ich hab die Arbeit geliebt und die besten Kollegen gehabt. Bin über meine Grenzen gegangen, mehr als einmal!
Und dann hat sich auch noch das Praktikum bei Pfeiffer&Langen ergeben.
An einem Abend mit den Jungs aus dem Erntehelfer Team kam dann mein Plan mit Kanada zur Sprache. Und zufällig kam einer der Erntehelfer von einer Farm in Simbabwe. Ich könnte ja auch da mal ein Praktikum machen.
Also am nächsten Tag meine Mutter angerufen und ihr alles erzählt.
"Also wenn du die Chance nicht ergreifst, brauchst du Weihnachten nicht heim kommen." Recht hat sie ja... Also direkt zugesagt.
Ende Oktober war meine Erntehelfer-Zeit dann zu Ende und ich bin bis Dezember bei Pfeiffer& Langen in der Zuckerfabrik gewesen und auch den Vertrag für mein duales Studium festgemacht. Wieder alleine an einem neuen Ort, aber näher an meiner alten Heimat Münster.
Im Januar bin ich dann aber erstmal direkt in ein 6-wöchiges Praktikum nach Simbabwe aufgebrochen und es hat mir so gut getan, dass ich direkt 3 Monate geblieben bin.
Danach sofort eine Woche Bayern/Österreich-Roadtrip und kurz darauf für 2 Wochen nach Schweden. In meinem kleinen Haus am See hab ich dann Kanada-Pläne geschmiedet, die im Juli endlich Wirklichkeit geworden sind.
Eine Woche mit Mama auf eine Pferderanch, dann weiter nach Ontario, wo auch mein Vater dazugestoßen ist. Zufällig hat er dort nämlich Freunde, die auch mit der Landwirtschaft zu tun haben. Und so bin ich dann in Kanada in einer Menge Kuhställen gelandet.
Aber meine Mama wusste schon kurz nach meiner Rückkehr aus Afrika, dass es mich dort wieder hin ziehen würde. Ich wusste das da noch nicht, hab es aber relativ schnell eingesehen und meinen Chef kontaktiert. Dann mussten natürlich noch eine Menge Dinge mit der Uni geregelt werden und ich habe eine Absage für die dazugehörige Firma schreiben müssen, was mir alles andere als leicht gefallen ist.
Aber es ging dann doch relativ schnell: Meine Studienberaterin hat mich 'einfach' von dualem auf Fernstudium umgestellt und ich hatte nach Kananda dann noch 6 Wochen Zeit, um mich bis Anfang Oktober auf meinen Umzug nach Simbabwe vorzubereiten.
Bis dato hab ich allerdings die vergangenen 6 Monate seit der Zusage dort nicht mehr wirklich was von meinem Chef gehört und bin dann einfach los. Ans andere Ende der Welt, wieder ohne festen Plan.
Ich habe mir also noch Plan B (Namibia) und Plan C (Australien) offengehalten.
Angekommen hatte sich das aber dann sehr schnell geändert und ich hab schnell eine Festanstellung bekommen und den Visumsantrag abgegeben.
Auf dieses Visum musste ich allerdings 4 (!!) Monate warten, sodass ich von Januar bis März nochmal zuhause verbracht habe.
Und dann war es soweit: Der offizielle Start in ein diesmal längeres neues Kapitel.
Neustart. Dieses Mal ein bisschen größer.
Wie lange ich hier bleibe? Keine Ahnung.
Ich plane das nicht mehr.
Ich sage einfach nicht mehr bei den kleinen Chancen nein.
Und irgendwie hat mich genau das bis hierher gebracht.
Mehr zu meiner Geschichte in Afrika findest du hier
Mehr zu meinen landwirtschaftlichen Anfängen hier
Und mehr zum Dorfkind-Dasein hier

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