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Warum moderne Landwirte nicht in ein Schema passen müssen

Manchmal sitze ich hier in Simbabwe auf der Farm, schaue über die Felder und frage mich, wie viele Menschen wohl gedacht haben, dass mein Weg einmal genau hierhin führen würde.

Wahrscheinlich nicht viele.

Denn während viele meiner ehemaligen Mitschüler ihren Berufseinstieg in Büros, Unternehmen oder klassischen Strukturen begonnen haben, sitze ich heute zwischen Erbsenfeldern, Farmhunden, staubigen Dirtroads und einer Landwirtschaft, die oft ganz anders funktioniert als das, was man aus Europa kennt.

Und gleichzeitig studiere ich noch. Online. Zwischen Feldarbeit, Farmalltag und manchmal ziemlich wackeligem Internet.

Für viele Menschen klingt das vielleicht ungewöhnlich. Aber dabei höre ich die meisten überraschten Reaktionen oft gar nicht aus der Stadt, sondern aus dem ländlichen Umfeld.

Denn auch dort gibt es häufig eine klare Vorstellung davon, wie ein Weg auszusehen hat.

Man wird Landwirt.
Oder man studiert.
Oder man geht ins Ausland.

Aber alles gleichzeitig?
Das passt für viele nicht so richtig in ein bekanntes Bild.

 

Dabei ist es eigentlich genau das Gegenteil von dem, was ich mir für die Landwirtschaft wünsche.

Ich möchte nicht ständig darüber nachdenken müssen, wie ich in die Welt passe.

Ich möchte stolz darauf sein, Landwirtin zu sein.

Landwirtschaft ist kein Beruf, den man verstecken muss. Ganz im Gegenteil. Es ist einer der wichtigsten Berufe überhaupt. Menschen produzieren Lebensmittel, kümmern sich um Tiere, arbeiten mit der Natur und tragen eine enorme Verantwortung.

Trotzdem entsteht oft das Gefühl, dass man sich rechtfertigen muss.

Dass man erklären muss, warum man diesen Weg gewählt hat.

Dass man zeigen muss, dass man trotzdem „modern“ oder „gebildet“ ist.

Aber vielleicht liegt genau hier der Denkfehler.

Denn Landwirtschaft und Bildung schließen sich nicht aus.
Landwirtschaft und internationale Erfahrungen schließen sich nicht aus.
Landwirtschaft und neue Ideen schließen sich nicht aus.

Eigentlich war Landwirtschaft schon immer ein Beruf für Menschen, die anpacken, denken und Lösungen finden müssen.

 

Ein eigener Weg in der Landwirtschaft

Für mich bedeutet Landwirtschaft nicht, sich in eine bestimmte Form zu pressen.

Es bedeutet, einen eigenen Weg zu finden. Neue Ideen einzubringen. Innovationen zu schaffen. Fortschritte zu machen und Neues zu entwickeln.

Für manche ist das der Familienbetrieb. Für andere ist es ein Studium, Forschung oder Agrarpolitik. Und für wieder andere – so wie für mich – ist es vielleicht eine Mischung aus ganz verschiedenen Dingen.

Auf einer Farm im Ausland zu arbeiten. Erfahrungen zu machen. Trotzdem ein Studium weiterzuführen. Einen Blog über Landwirtschaft zu schreiben. Einen Podcast aufzunehmen und Geschichten aus dem Farmalltag zu teilen.

Wenn ich ehrlich bin, wäre mir diese Kombination früher selbst vielleicht ungewöhnlich vorgekommen.

Aber genau das ist ja das Spannende an diesem Beruf: Landwirtschaft kann unglaublich viele Formen annehmen.

 

Landwirtschaft braucht Menschen, die anders denken

Gerade heute steht die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. Klimawandel, gesellschaftliche Erwartungen, wirtschaftlicher Druck, neue Technologien – all das verändert die Branche.

Deshalb braucht Landwirtschaft nicht nur Menschen, die bestehende Strukturen weiterführen.

Sie braucht auch Menschen, die neugierig sind.

Menschen, die Fragen stellen.
Menschen, die neue Erfahrungen sammeln.
Menschen, die verschiedene Perspektiven zusammenbringen.

Vielleicht sind es genau diese unterschiedlichen Wege, die die Landwirtschaft langfristig stärker machen.

 

Den eigenen Weg gehen – auch wenn er ungewöhnlich ist

Ich glaube, viele junge Menschen in der Landwirtschaft kennen dieses Gefühl: den Wunsch, etwas auszuprobieren, aber gleichzeitig die Frage im Kopf, ob das überhaupt „dazu passt“.

Passt ein Blog zur Landwirtschaft?
Passt ein Podcast?
Passt ein Studium neben der praktischen Arbeit?

Passen Auslandserfahrungen in die deutsche Landwirtschaft?

Die Wahrheit ist: Es gibt keine Regel dafür!

Landwirtschaft war schon immer ein Beruf für Menschen, die Dinge möglich machen. Für Menschen, die Lösungen finden, wenn das Wetter verrücktspielt, Maschinen ausfallen oder Pläne plötzlich nicht mehr funktionieren.

Warum sollte diese Offenheit also genau dann aufhören, wenn es um die eigenen Lebenswege geht?

 

Landwirtschaft darf vielfältig sein

Wenn ich heute auf der Farm hier in Simbabwe stehe, wird mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich Landwirtschaft weltweit aussehen kann.

Und genau das macht diesen Beruf so besonders.

Landwirtschaft ist kein starres Konzept. Sie verändert sich mit den Menschen, die sie leben.

Deshalb sollte es auch in Ordnung sein, wenn der eigene Weg manchmal anders aussieht als erwartet.

Wenn man ins Ausland geht.
Wenn man studiert.
Wenn man neue Ideen ausprobiert.

Nicht, um irgendwo hineinzupassen.

Sondern weil Landwirtschaft genau solche Menschen braucht.

 

Menschen, die stolz darauf sind, Landwirtin oder Landwirt zu sein – und trotzdem ihren ganz eigenen Weg gehen.

 

 

 

Mehr zum Thema und warum wir gerade in der Landwirtschaft neue Perspektiven brauchen, findest du hier

 

Herzblut - "Perfekt gibt's nicht!"

 

Never change the Destination - Über Höfesterben und Zukunftsangst

 

Neue Perspektiven & das Bild des Landwirts

 

Von Zielen und Plänen

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Markus (Montag, 16 März 2026 20:23)

    Da ist so viel wahres dran.
    Vor allem wenn man sich mal vor Augen führt, dass über die Hälfte der Weltbevölkerung nicht durch die industrielle Landwirtschaft ernährt wird sondern durch Klainbauern und Selbstversorgung.