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Futtermittel - Milchvieh

Was sind Futtermittel in der Landwirtschaft - und welche gibt es eigentlich?

 

In der Landwirtschaft dreht sich vieles um Tiere. Aber mindestens genauso wichtig ist das, was im Trog bzw. auf dem Futtertisch landet. Denn Futtermittel sind die Grundlage jeder Tierhaltung und entscheiden maßgeblich über Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden der Tiere. 

 

Gleichzeitig sind Futtermittel weit mehr als nur Gras oder Silage. Sie bilden die Basis für eine bedarfsgerechte Fütterung in der Rinderaufzucht und Milchviehhaltung - und genau hier wird es oft komplexer, als man zunächst denkt.

Denn zum Thema Futtermittel gehören auch immer Trockenmasse, Nährstoffgehalt und besonders für  Kühe auch die Schmackhaftigkeit, denn sie sind besonders gut im aussortieren!

 

 

Grobfutter

Auch Grundfutter genannt, ist dies meist wirtschaftseigenes Futter, welches den Großteil der Futterration einnimmt

 

Gras

Futterformen: Weidegras, Grassilage, Heu, Kleegras

 

Weidefutter

*niedriger Trockenmassegehalt (je nach Vegetationszeit 160-180 g/kg TM)

*abhängig der Wetterlage und des Platzangebots

*unkontrollierte Futteraufnahme

*Zufütterung notwendig

*hohe Selektion

 

Grassilage

Eine gute Silagequalität ist der wichtigste Faktor für eine gute Fütterung. Hierunter zählen die Zusammensetzug des  Futters aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen -welche sich von Schnitt zu Schnitt ändern- sowie der richtige Schnittzeitpunkt des Grases, um die perfekte Reife und Silierung zu erreichen.

Kriterien:

*frei von Schimmel, Buttersäure, Fäulnis

*essigsäurearm

*geringe Verschmutzung (Rohasche)

*Inhaltsstoffe variieren je nach Schnitt

*hohe Eiweißversorgung (145-180 g XP/kg TM)

*energiereich (4,9-6,5 MJ NEL/kg TM)

 

 

Heu

Schnittzeitpunkt:

-Mahd während des Ährenschiebens

-möglichst kurze Feldliegezeit

-Restfeuchte <12%

*hohe Trockenmasse (860 g/kg TM)

*hoher Rohfaseranteil (260-320 g XF/kg TM)

*gute Strukturwirkung, speichelflussanregend = wiederkäuergerecht (SW 3-4)

 

 

Mais 

Futterformen: Maissilage 

- tragende Säule der Grobfutterration

*niedriger Trockenmassegehalt (280-340 g/kg)

*guter Energiegehalt (6,2-6,8 MJ NEL/kg TM)

*niedriges Rohprotein (70-75 g XP/kg TM)

*massive Sortenunterschiede

  -> stay green, dry down, harmonisch

   -> vielseitig anpassbar

 

 

Luzerne

Futterformen: Luzerneheu, Silage, Pellets, Mehl

*hohe Eiweißversorgung

*geringer Zuckergehalt

*hohe Pufferkapazität

*viel Trockenmasse (880 g/kg)

*hoher Strukturwert

 

 

Stroh

*hoher Rohfasergehalt (429 g/kg TM)

*wenig schmackhaft

*hoher Calcium-, Kalium- und Mangangehalt

*Energie aus hohem Zelluloseanteil

  -> Die darin gebundene Glukose wird durch die Enzyme der Pansenbakterien gespalten und im Pansen fermentiert

   -> liefert Energie und verdauliche Stärke

 

 

Zuckerrübenblatt

Futterform: Silage

*gute Verdaulichkeit (94-96%)

*niedriges Rohprotein (ca. 7%)

*hohe Energiedichte

*sehr schmackhaft

 

 

 

 

Energiereiche Saftfutter

 

Biertreber

- ungelöster Braurest aus Gerste- und Weizenmalz

*guter Energiegehalt (7 MJ NEL/kg TM)

*pansenstabiles Eiweiß (263 g XP/kg TM)

*milchtreibende Wirkung

*gute Wirkung auf das Milcheiweiß

*hoher Gehalt natürlicher Wirkstoffe

*diätetisch wertvoll durch den Vorgang des Mälzens

  -> natürlich enthaltene Enzyme zum Aufschluss der Stärke

*kurzer Silierprozess (1-2 Wochen)

*vorbeugend zu Pansenacidose

 

 

Getreideschlempe

- Nebenprodukt der Alkoholherstellung

   -> Eiweiß und Fett in hoher Konzentration

*Proteingehalt 280 g XP/kg TM

*sehr energiereich (8 MJ NEL/kg)

*hoher Anteil an Methonin und Lysin

*niedriger pH-Wert = verminderte Erwärmung

*hohe Verdaulichkeit (90%)

*sehr schmackhaft

*homogenisiert die Ration

 

 

Zuckerrüben

Futterformen: ganze Rübe, Rübenpressschnitzel

- aufwendiger Anbau, hoher Ertrag

 

ganze Rüben:

*Trockenmassegehalt 230 g/kg TM

*sehr schmackhaft

*sehr niedrige Selektion

*hohe Verdaulichkeit

*hohe Energiedichte (8 MJ NEL/kg TM)

*Erhöhung der bakteriellen Proteinsynthese

*als Mischsilage empfohlen (mit Mais oder spätem Grasschnitt)

 

Presschnitzel

-abgepresste, extrahierte Zuckerrübenschnitzel

*sehr guter Energiegehalt (7,5 MJ NEL/kg TM)

*Energiefreisetzung langsam und kontinuierlich

*hochverdaulich

*stabilisieren optimal den pH-Wert im Pansen

*zucker- und stärkearm

*gute Verdaulichkeit - gleichmäßiger Abbau von Hemicellulosen und Pektinen

*Ersatz für mais- und getreidebetonte Ration

*ideal in Hochleistungsrationen

  -> stabilisierend in stärke- oder zuckerreichen Rationen

 

 

Kartoffeln

Futterformen: frisch, Pülpe, Schlempe, Kartoffelstärke

 

frische Kartoffeln

- Knollen haben geringste Qualitätsmängel

*Trockenmassegehalt 220 g/kg TM

*hoher Energiegehalt (8,4 MJ NEL/kg TM)

*guter Strukturwert (ca. 0,7)

*gut verdauliche Stärke

 

Kartoffelpülpe

- Nebenprodukt der Stärkegewinnung

*Trockenmassegehalt 150 g/kg TM

*sehr energiereich (7,7 MJ NEL/kg TM)

*keine Strukturwirkung

*Stärke in nativer Form (wiederkäuergerecht)

*steigert Milcheiweißgehalt in stärkearmer Ration

*niedrige Vitamin-, Eiweiß- und Mineralstoffgehalte

*frisch und offen lange haltbar

*siliert ganzjärig fütterbar

*mind. 6 Wochen Silierzeit

 

Kartoffelschlempe

*Trockenmassegehalt 60 g/kg TM

*frei von Stärke und Alkohol

*Neubildung von Protein und Vitamin B durch Gärung

*sehr eiweißreich

*gute biologische Wertigkeit

*niedrige Nährstoffkonzentration

 

 

Möhren

*hoher Energiegehalt (7,6 MJ NEL/kg TM)

*hohe Verdaulichkeit (88%)

*zuckerhaltig (509 g/kg TM)

*sehr schmackhaft

*Carotin fördert die Fruchtbarkeit

 

 

Apfeltrester

Futterformen: siliert, frisch

- Nebenprodukt der Saftherstellung

*energiereich (6,9 MJ NEL/kg TM)

*verdauliche Rohfasern

*Pektine als Hauptnährstoffe

*niedrige Stärke

  -> vorbeugend zu Pansenacidose

*preisgünstige Maisalternative

 

 

 

 

Kraftfutter

 

Mais

Futterform: Maisstärkemehl, Maiskleberfutter, CCM, DDGS

 

Maisstärkemehl

- Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie

   -> Herstellung von Maisgrieß und Maismehl

*sehr hoher Energiegehalt (8,9 MJ NEL/kg TM)

*gute Stärkequalität, hoher Stärkegehalt (540 g XS/kg TM)

*hoher Trockenmassegehalt (900 g/kg)

*sehr schmackhaft

*dient als Maisersatz in der Ration

 

Maiskleberfutter

- Nebenprodukt der Stärkemehlgewinnung

   -> gepresste Pülpe, angereichert mit Maiskeim-Ölkuchen und Mais-Quellwasser

*hohe Energiedichte (7,8 MJ NEL/kg TM)

*hoher Proteingehalt (170 g XP/kg TM)

-> ausgeglichener Eiweiß-Energiewert

*positiver Einfluss auf Milcheiweißgehalt

 

CCM ~ "Corn-Cob-Mix"

- Korn-Spindel-Gemisch

- geringer Vorschub von Nachteil

*hoher Gehalt an beständiger Stärke

  -> der Abbau erfolgt erst im Dünndarm

   -> entstandene Glucose ist sofort stoffwechselverfügbar

*bei Altmelken ist auf Verfettung je nach Rationsanteil zu achten

*hohe Energiedichte

*geeignet für Mastrinder

 

Trockenschlempe (DDGS)

- Nebenprodukt der Ethanolherstellung aus Getreide und Mais

*konzentriertes Eiweiß, Fett und verdauliche Rohfaser

*gute Eiweißqualität (317 g XP/kg TM)

*hoher Aminosäuregehalt

*energiereich (7,4 MJ NEL/kg TM)

*Rohfaser 154 g XF/kg TM

 

 

 

 

 

Kartoffeln

Futterform: Kartoffelstärkemehl

*sehr hohe Energiekonzentration (8,4 MJ NEL/kg TM)

*geringe Futterverdrängung

*steigert Milcheiweißgehalt

*sehr gute Verdaulichkeit (92%)

*einfache Lagerung

 

 

 

Ackerbohnen

*hoher Trockenmassegehalt (880 g/kg TM)

*sehr energiereich (8,6 MJ NEL/kg TM)

*hoher Proteingehalt

*geringe UDP-Gehalte wirken leistungsbegrenzend

  -> Kombination mit Rapsextraktionsschrot empfohlen

 

 

Erbsen

Futterformen: geschrotet, zerquetscht

*hoher Trockenmassegehalt (880 g/kg)

*geringer Fettgehalt (1,5%)

*energiereich (8,5 MJ NEL/kg TM)

*hoher Stärkegehalt, weniger Eiweiß

  -> zusätzliches Eiweißfutter, um Stärkegehalt auszugleichen

  + ergänzend: Rapsextraktionsschrot

   

 

Getreide

Futterform: Korn/Mehl

-Weizen, Gerste, Hafer, Mais, Roggen, Triticale

*hoher Energiegehalt aus Stärke (8,1-9 MJ NEL/kg TM)

*gutes Rohprotein (95-138 g XP/kg TM))

*schneller Abbau bei Weizen, Trticale, Roggen

  -> schnelle Freisetzung kurzkettiger Fettsäuren

   -> Gefahr von Pansenacidose (Übersäuerung)

*langsamer Abbau bei Mais

*gute Glucoseversorgung im Dünndarm

  -> niedrige Ketosegefahr, verbesserte Milcheiweißproduktion

~Quetschen anstatt Schroten verlangsamt den Abbau im Pansen

~ausreichend Rohfaserversorgung beachten

 

-> Weizen

Futterform: Weizenkleberfutter

-Nebenprodukt der Weizenstärkegewinnung, Kleien und Keime abgespalten

  -> Nass-Separierung führt zu Stärkeausschwemmung

*hohe Energiedichte (7,8 MJ NEL/kg TM)

*sehr gute Futteraufnahme

*vorbeugend zu Pansenacidose (geringer Stärkeanteil)

*gute Lagerfähigkeit durch Trocknung

 

-> Malzkeime

 - Nebenprodukt der Malzherstellung (Brauerei)

-> in Wasser gekeimte Braugerste und -weizen werden getrocknet und geröstet

  -> es entsteht Darrmalz, von welchem die Keimlinge abgetrennt werden

*hoher Rohfasergehalt (132 g XF/kg TM)

  -> diätetischem Wert

*hoher Gehalt an leicht löslichen Kohlenhydraten
*einfache Lagerung
*ausgleichend bei feuchten Grundfutterrationen

 

Leinen

Futterformen: Leinextraktionsschrot, Leinkuchen, Leinsamen

- Nebenprodukt der Leinölherstellung

 

Leinextraktionsschrot

*hoher Trockenmassegehalt (890 g/kg)

*hoher Energiegehalt (7,8 MJ NEL/kg TM)

*eiweißreich (385 g/kg TM)

*relativ faserreich (103 g XF/kg TM)

*gut verdaulich

*geringer Lysinanteil

*diätetische Wirkung durch Schleimstoffgehalt

*großer Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren

 

Leinkuchen (pelletiert)

- Nebenprodukt kaltgepresster Leinsaat

   -> heimische Eiweißalternative

*sehr hoher Trockenmassegehalt (910 g/kg)

*hohe Energiedichte (8,5 MJ NEL/kg TM)

*hoher Eiweißgehalt (357 g XP/kg TM)

*milchtreibende Wirkung

*hoher Calcium- und Phosphorgehalt

 

 

Lupine

*hoher Trockenmassegehalt (880 g/kg)

*höchster Eiweißgehalt heimischer Körnerleguminosen (8,9 MJ NEL/kg TM)

*hoher Anteil an Pektinen (leicht verdauliche Zellwandbestandteile)

*reich an Lysin = gute Eiweißwertigkeit

+empfohlen: 50/50-Mischung mit Rapsextraktionsschrot

 

 

Melasse

Futterformen: flüssig, Schnitzel, Silage in Gras

- Nebenprodukt der Zuckerrübenverabeitung

*guter Energielieferant (6-8 MJ NEL/kg TM)

*geschmackliche Aufwertung der Ration

  -> regt den Speichelflus an

   -> erhöht den pH-Wert im Pansen (Acidose-Gefahr sinkt)

*bindet im flüssigen Zustand die Ration = niedrige Selektion

 

 

Raps

Futterformen: Extraktionsschrot, Rapskuchen, Rapssaat

 

Rapskuchen

- gepresste Rapssaat, Nebenprodukt der Ölgewinnung

*sehr hoher Trockenmassegehalt (900 g/kg)

*sehr hoher Energiegehalt (8,6 MJ NEL/kg TM)

*gute Proteinquelle (330 g XP/kg TM)

*relativ hoher Gehalt an essentiellen Aminosäuren

*hoher Calcium- und Phosphorgehalt

*heimische Eiweißalternative

 

Rapsextraktionsschrot

- Rapskuchen, extrahiert und getrocknet

*hohe Trockenmassegehalt (890 g/kg)

*optimale Proteinquelle (392 g XP/kg TM)

*energiereich (7,2 MJ NEL/kg TM)

    -> mehr Eiweiß, weniger Energie als Rapskuchen

*rohfaserreich (133 g/kg TM)

*fettarm

*trocken gelagert lange haltbar

*milchtreibende Wirkung

*hoher Calcium- und Phosphorgehalt

*heimische Eiweißalternative

 

 

Rapssaat

- rohe Saat

*hoher Trockenmassegehalt (920 g/kg)

*preiwerte Proteinträger (230 g/kg TM)

*sehr hoher Energiegehalt (10,8 MJ NEL/kg TM)

 

 

Sojabohnen

Futterformen: Samen, Schalen, Sojaextraktionsschrot, Sojapülpe

 

Sojaextraktionsschrot

*hoher Trockenmassegehalt (880 g/kg)

*sehr hoher Energiegehalt (8,4-8,8 MJ NEL/kg TM)

*sehr proteinreich (485-510 g XP/kg TM)

 

 Sojapülpe

 - Nebenprodukt der Sojagetränkegewinnung

*hohe Eiweißkonzentration (332 g XP/kg TM)

*sehr energiereich (8,8 MJ NEL/kg TM)

*hoher Aminosäureanteil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

www.beweka.de

www.agrarheute.de

www.lkvsachsen.de

www.tremonis.de

www.elite-magazin.de

www.deuka.de

www.lfl-bayern.de

Landwirtschaftskammer NRW-Futterwerttabelle Rinderfütterung

Lindenberg GmbH - Produktinformationen/Futterwerbung

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