Kastration - Oder auch: warum unsere Ferkel angemalt in Brotkörben liegen.
Ferkelkastration heute – Ein Blick hinter die Kulissen
In der modernen Schweinehaltung ist die Ferkelkastration ohne Narkose seit dem 1. Januar 2021 verboten. Auf meinem Ausbildungsbetrieb gehen wir das Thema deshalb sehr sorgfältig an – mit Narkose, Schmerzmitteln und viel Aufmerksamkeit für die kleinen Tiere. Ich möchte euch einmal einen Einblick geben, wie wir die Kastration der Ferkel handhaben und welche Schritte dabei besonders wichtig sind.
Vorbereitung ist alles
Bevor es überhaupt ans Kastrieren geht, bekommen die Ferkel eine Injektion aus Eisen, Schmerzmitteln und Antibiotikum. Das dient gleich mehreren Zwecken: Die Schmerzmittel wirken lange und sorgen dafür, dass die Tiere während der Prozedur so wenig wie möglich leiden, und das Antibiotikum schützt vor möglichen Wundinfektionen nach der Kastration.
Danach werden die Ferkel einzeln gewogen, damit die Dosierung des Betäubungsmittels genau stimmt. Das Gewicht schreibe ich direkt aufs Ferkel – das spart beim Spritzen Zeit und hilft, Fehler zu vermeiden. Präzision ist hier besonders wichtig, denn nur bei der richtigen Dosierung schlafen die Ferkel tief genug, um die Kastration stressfrei durchführen zu können.
Die Kastration
Wenn die Ferkel gut schlafen, erfolgt die eigentliche Kastration. Direkt danach legen wir sie in große, offene Körbe auf die Fußbodenheizung in ihrer jeweiligen Abferkelbucht. So bleiben sie während der Aufwachphase warm und geschützt.
Die Aufwachphase erfordert besondere Aufmerksamkeit: Wir kontrollieren die Ferkel regelmäßig, denn nach der Narkose sind sie noch etwas tollpatschig. Deshalb bleiben sie eine Zeit lang in den Körben, um das Risiko von Verletzungen zu minimieren. Gleichzeitig dürfen sie nicht zu lange von der Sau getrennt sein, denn die übrigen weiblichen Ferkel müssen weiterhin ausreichend Milch bekommen. Ansonsten kann es schnell zu einem Milchstau kommen, was das Risiko einer Gesäugeentzündung erhöht.
Nachbereitung & Kennzeichnung
Bevor die männlichen Ferkel wieder zu ihren Geschwistern in die Bucht dürfen, bekommen sie noch blaue Ohrmarken eingezogen. So können wir sie eindeutig identifizieren und behalten die Übersicht auf dem Betrieb.
Mein Fazit
Für mich zeigt diese Prozedur sehr deutlich, wie wichtig Tierwohl, Sorgfalt und Organisation in der modernen Landwirtschaft sind. Jede kleine Maßnahme – von der präzisen Dosierung der Narkose bis zur Überwachung beim Aufwachen – trägt dazu bei, dass die Ferkel möglichst stressfrei und gesund durch die Kastration kommen. Für mich persönlich ist es eine Erfahrung, die mich die Komplexität und Verantwortung in der Schweinehaltung noch einmal stärker spüren lässt.

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